Jedes Kind sollte eine Schwimmart beherrschen

DLRG und Franziska van Almsick setzen sich für lebenswichtigen Unterricht ein

Kinder sollten sicher schwimmen können. Doch an immer mehr Schulen fällt der Unterricht aus – weil Lehrkräfte fehlen oder öffentliche Bäder schließen. Foto: dpa
Kinder sollten sicher schwimmen können. Doch an immer mehr Schulen fällt der Unterricht aus – weil Lehrkräfte fehlen oder öffentliche Bäder schließen. Foto: dpa
Ob Freibad, Baggersse oder Meer: Kaum einer, der das Planschen im kühlen Nass nicht genießt. Doch die Sache hat einen Haken: Man sollte sich im Wasser sicher bewegen können. Doch das können einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (kurz DLRG) immer weniger.

Kostenfaktor
Ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen gelten heute bereits als schlechte oder gar als Nichtschwimmer. Bei den Zehnjährigen sind es bereits 59 Prozent. Das liegt zum einen daran, dass immer mehr öffentliche Bäder aus Kostengründen geschlossen werden. Zum anderen fällt der Schwimmunterricht an immer mehr Grundschulen aus. Zudem sehen sich der Umfrage zufolge immer weniger Eltern in der Lage, ihrem Nachwuchs sicheres Bewegen im Wasser beizubringen.

Eine gefährliche Entwicklung. Allein im vergangenen Jahr sind dem Statistischen Bundesamt zufolge in der Bundesrepublik 417 Menschen ertrunken – 37 davon allein in Baden-Württemberg. Zwar war die Zahl im Vergleich zu 2018 mit 504 tödlichen Badeunfällen leicht rückläufig. Grund für Entwarnung sieht die DLRG trotzdem nicht. Ihr Appell: Kinder sollten schwimmen können. Dafür sollte man sie so früh wie möglich an das nasse Element gewöhnen. Vereine wie die DLRG bieten deshalb Anfängerkurse für Kinder ab sechs Jahre an. Die Preise dafür schwanken zwischen 50 und 100 Euro. Geld, das gut investiert ist.

Petition
Doch auch die DLRG und andere Vereine sind für die Durchführung ihrer Kurse auf öffentliche Bäder angewiesen. Weil immer mehr dieser Stätten aus Kostengründen schließen, mündete die Besorgnis der Lebensretter Ende vergangenen Jahres in einer Petition, die sie im November dem zuständigen Ausschuss des Deutschen Bundestages übergaben. Mehr als 130 000 Unterzeichner fordern darin eine angemessene Bäderversorgung (mehr Infos unter www.rettetdie-baeder.de). Das sieht auch die ehemalige Welt- und Europameisterin Franziska van Almsick so. Sie war einst Deutschlands bekannteste Profischwimmerin. „Heutzutage können Kinder in der ersten Klasse chinesisch, aber nicht schwimmen“, beklagt van Almsick die ungute Entwicklung. Sie, die selbst mit fünf Jahren schwimmen gelernt hat, sieht sowohl die Politik als auch die Eltern in der Verantwortung. „Man sollte den Kindern ein gutes Vorbild sein und mit ihnen ab und zu ins Schwimmbad gehen, anstatt sich darauf zu verlassen, dass das andere machen“, betonte van Almsick, die mit ihrer Familie in Heidelberg lebt.

Deshalb gründete sie den Verein und die Franziska van Almsick Stiftung. Diese engagiert sich dafür, dass jedes Kind am Ende seiner Grundschulzeit mindestens eine Schwimmart beherrscht. Es genügt nicht, „wenige Minuten irgendwie über Wasser zu bleiben – es ist wichtig, dass alle Kinder sich im Wasser wirklich sicher fühlen und bewegen können“, betont die Initiatorin. Doch der Schwimmunterricht an deutschen Schulen ist – obschon in den Lehrplänen vorgesehen – leider längst keine Selbstverständlichkeit mehr. „Ein knappes Drittel aller Schulen hat keine Möglichkeit, Schwimmunterricht stattfinden zu lassen“, erklärt van Almsick.

Bindeglied
Deshalb kooperiert ihre Stiftung mit Schulen und Lehrern, Ämtern und Schwimmbadbetreibern. Als Bindeglied zwischen Gemeinden, Bäderbetrieben und Schulen setzt sich die Organisation dafür ein, dass in der Schule Schwimmunterricht optimal umgesetzt werden kann. Finanziert werden Verwaltungskosten und Lehrassistenten. Und wie kommt der Kontakt zur Stiftug zustande? „Lehrer können unkompliziert sofort Kontakt aufnehmen, wenn sie Unterstützung zur Durchführung des so wichtigen, aber oft leider nicht umsetzbaren Schwimmunterrichts in Anspruch nehmen wollen“, so van Almsick. „Eltern können die Lehrer ihrer Kinder auf unser Projekt ansprechen und sich dazu ebenfalls hier registrieren, um Material anzufordern.“

Von unserer Redakteurin Ulrike Kübelwirth

   

INFO Mehr Wissenswertes

Weitere Infos gibt es unter www.franziskavanalmsick-stiftung.de. Mehr zur DLRG – auch zu Ortsgruppen und Schwimmkursen in der Region – finden sich unter www.dlrg.de/kurse.
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