Achterbahn bis ins hohe Alter

MENSCHEN - Ursel Dees (79) aus Böblingen fährt jedes Jahr mehr als 500 Mal Karacho

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Stets ein Lächeln im Gesicht während der Fahrt: Ursel Dees (Zweite von links) hat sichtlich Spaß.
Stets ein Lächeln im Gesicht während der Fahrt: Ursel Dees (Zweite von links) hat sichtlich Spaß.
Von unserem Redakteur Alexander Schnell 

Eine Achterbahnfahrt ist reine Physik, sagt der Kopf. Eben die Summe aus Beschleunigung und Kurvengeschwindigkeiten. Eine Achterbahnfahrt ist aufregend und aufwühlend, sagt der Bauch. Eben die Summe aus Adrenalin und Kontrollverlust. Kopf und Bauch duellieren sich während der rasanten Fahrt in der „Karacho“. Allein der Start, wenn man in einem Tunnel in nur 1,6 Sekunden auf Tempo 100 katapultiert wird – einfach nur atemberaubend. Ein 2000 PS starker Linearmotor und vier Loopings geben den Ausschlag: Der Bauch gewinnt.

Immer lächeln - Ursel Dees lacht vor, während und nach der Fahrt. Zunächst würde kaum jemand denken, dass die sympathische Frau aus Böblingen ein echter „Karacho“-Fan ist. Schließlich ist Dees schon 79 Jahre alt. Vor fünf Jahren ist sie das erste Mal mit der Karacho gefahren, mittlerweile waren es mehr als 2700 Fahrten. Ursel Dees weiß es ganz genau, schließlich führt sie Buch darüber. Spaß macht es immer noch, mehr denn je. „Es ist Therapie und Lebensfreude“, sagt Ursel Dees. Sie hat Probleme mit der Hüfte und dem Rücken. Die Fahrt in der „Karacho“ schadet aber nicht. Ganz im Gegenteil: „Das streckt und dehnt. Das ist gut für die Bandscheibe.“

Spitzname - Die ersten paar Male habe sie sich noch mit beiden Händen festgehalten. Nach einer Weile noch mit einer. Inzwischen schießt die Böblinger Seniorin locker und entspannt mit 100 Stundenkilometern durch die Kurven. Ihr Krankengymnast merke jedes Mal, wenn sie am Tag vorher in Tripsdrill war. „Er sagt immer, er bekäme das niemals so hin wie die Karacho-Bahn.“ Mittlerweile ist Dees deutschlandweit bekannt. Über den Spitznamen „Karacho-Oma“ kann sie schmunzeln. Ans Aufhören denkt sie noch lange nicht und freut sich immer auf den nächsten Besuch in Tripsdrill. „Eigentlich soll man mit Rückenproblemen nicht Achterbahn fahren“, sagt Ursel Dees. „Aber in meinem speziellen Fall hilft es sogar.“