Pfedelbacher Schloss: Ein bisschen aus der Zeit gefallen

Tina Blanck lässt als Fürstin Anna Felicitas in der Pfedelbacher „Sonne“ die Zeit des Barock wieder aufleben

In barocker Pracht erscheint das Kabinett von Fürstin Anna Felicitas, durch das Tina Blanck ausnahmsweise im modernen Outfit führt.
In barocker Pracht erscheint das Kabinett von Fürstin Anna Felicitas, durch das Tina Blanck ausnahmsweise im modernen Outfit führt.
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Mit ihrer weißen Perücke, dem kecken Hütchen, der bodenlangen schwarzen Robe (Kleid), den fülligen Paniers (Hüftpolstern), darüber dem floral gemusterten Manteaux (Mantelkleid) mit den ausladenden Ärmeln, mit den roten Lippen und ihrem vornehm weiß gepuderten Gesicht wirkt Tina Blanck ein bisschen wie aus der Zeit gefallen. Das ist sie auch. Denn als Fürstin Anna Felicitas will die studierte Grundschullehrerin bei Führungen durch die Pfedelbacher „Sonne“, ehemaliges Witwenpalais der Fürstin (1746 bis 1751), „das Lebensgefühl der damaligen Zeit rüberbringen“.

Zeitgeschmack -„Sie wollte eigentlich nie nach Pfedelbach, sondern gleich nach ihrer Hochzeit mit Fürst Ferdinand von Hohenlohe-Bartenstein Residenz in Bartenstein nehmen“, sagt Tina Blanck. Über die Gründe kann sie nur spekulieren. Als geborene von Waldburg-Zeil-Wurzach sei die Fürstin „wohl Besseres gewohnt gewesen“. Deshalb sei ihr das Pfedelbacher Schloss vermutlich „zu popelig, zu alt und zu kalt gewesen“. Nach dem Tod ihres Mannes war auch das 1662 erbaute Witwenpalais vis à vis vom Schloss nicht ihre erste Wahl. „Das bekam sie vom Schwager zugewiesen“, weiß Tina Blanck. „Das von außen unspektakuläre Gebäude hat sie über dem Keller komplett neu ausbauen lassen, dem Zeitgeschmack angepasst und mit einer Belle Etage versehen“. Einiges ist heute noch im Original erhalten.

Dorflädle am Schloss
Blumenzauber am Schloss

Ein paarmal pro Jahr schlüpft sie in die Rolle und Robe der Fürstin. Fotos: Juergen Koch/privat
Ein paarmal pro Jahr schlüpft sie in die Rolle und Robe der Fürstin. Fotos: Juergen Koch/privat
Betritt man das Palais, findet sich linker Hand im heutigen Restaurant das ehemalige Tafelzimmer, dahinter die Küche und rechter Hand, heute die Toilette, das sogenannte Frauenzimmer, in dem sich tagsüber die Bediensteten aufhielten. Über die original erhaltene, ausgetretene Holztreppe erreicht man die dem klassischen Zeitgeschmack des Barock entsprechende fürstliche Suite. „Die führt einmal ums Haus herum und von Zimmer zu Zimmer werden die Räume privater“, erklärt Tina Blanck. Da findet sich links zunächst der Empfangssalon für die allgemeinen Gäste mit barocken Landschaftstapeten und Rocaille- Stuck. Das ließ der Fassmaler Johann Michael Probst anbringen, der das Palais 1781 kaufte und zum Gasthaus Sonne umfunktionierte.

Selbstbewusst - „Daran schließt sich der grüne Salon für private Gäste an“, sagt Tina Blanck und verweist auf die aus fürstlicher Zeit erhaltenen Wandschränke und das Tafelparkett. In barocker Pracht erstrahlt das anschließende Kabinett, ein Lese- und Schreibzimmer, mit original Stuck und Ofen. „Nicht mehr original ist die Wandtapete mit ihren Schäferszenen, die ist Louis Seize“, erklärt Tina Blanck. Auch im Schlafzimmer, dem letzten und privatesten Raum der Suite, ist nur noch der Ofen original. Bleibt noch das Dachgeschoss, in dem die Garderobe der Fürstin, ihre Gesellschafterin Fräulein Fugger und die Kammerzofen untergebracht waren.

Fürstenfass
Schwesterherz
„Insgesamt weiß man wenig über die Fürstin“, sagt Tina Blanck, „1722 geboren, mit 13 Halbwaise, mit 14 Waise, mit 15 Heirat, kinderlos, 1751 an Auszehrung gestorben und in Bartenstein beerdigt.“ Vermutlich sei sie „selbstbewusst und durchsetzungsfähig“ gewesen. Tina Blanck selber würde „höchstens kurzzeitig“ in die Zeit der Fürstin eintauchen wollen. „Für Etikette und Hofzeremoniell bin ich zu freiheitsliebend“. Auch das fürstliche Kostüm ist ihr „zu unbequem“ und die Perücke „zu schweißtreibend“. Dennoch räumt sie ein, dass man in fürstlicher Robe „anders wird, sich anders bewegt und viel gerader läuft.“ Von Juergen Koch
    

HNV-Fahrplantipps

Durch vier Regionalbuslinien können von Pfedelbach aus umliegende Gemeinden wie Buchhorn, Neuenstein, Oberohrn und Windischenbach erreicht werden. Auch nach Öhringen führen zahlreiche Regionalbuslinien, von wo aus sich Umsteigemöglichkeiten auf andere Regionalbuslinien, die Stadtbahn oder den Regionalzug anbieten. Stadtbahn und Regionalzug fahren mehrmals stündlich nach Heilbronn. Auch nach Schwäbisch Hall und Crailsheim gibt es viele Verbindungen. red
Farbenstudio Schlaf
Antje Weiß, Physiotherapeutin

Rotes Bockshorn als Tribut an den Ortsadel

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Die Gemeinde Pfedelbach hat das Wappen des ehemaligen Ortsadelsgeschlechtes der Herren von Pfedelbach zu ihrem gemacht. Die offizielle Beschreibung (fachsprachlich Blasonierung) lautet: „in Silber/ Weiß ein gebogenes rotes Steinbockshorn“. Den Wappen-Vorschlag der Archivdirektion Stuttgart vom 29. März 1927, das rote gebogene Steinbockshorn zu verwenden, nahm die Gemeinde Pfedelbach an. Seit 1930 wurde es in den Gemeindedienstsiegeln geführt.

Der Pfedelbacher Heimatforscher Josef Kruck hat die weitere Geschichte und Bedeutung verfolgt und herausgefunden: Pfedelbach hatte von 1270 bis 1419 Ortsadel. Sein Wappen: „rotes Bockshorn in Weiß, Helmzier Büffelhörner, rot und weiß“. Anno 1419 erbten die Adelsheimer im Neckar-Odenwald-Kreis den Pfedelbacher Besitz. Dort befindet sich „auf Silber/Weiß ein schwarzes, senkrecht stehendes Steinbockshorn“. Auch im Pfedelbacher Heimatbuch von 1987 wird auf die Verwandtschaft hingewiesen. Beide Orte haben heute noch die „Wappen-Verwandtschaft“. red