Wein in Maßen genießen

Gratwanderung zwischen Genuss und Absturz – Frauen vertragen weniger als Männer

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Von Kilian Krauth 

Über die gesundheitlichen Auswirkungen von Wein lässt sich trefflich streiten, zum Beispiel am Stammtisch – oder noch besser: mit dem Partner. Zur Versachlichung beitragen wollen folgende Fragen und Antworten.

Gibt es beim Wein eine Faustformel für einen ungetrübten Genuss?

Der Urvater der Medizin, der Arzt Hippokrates, fasste schon 400 Jahre vor Christus Vor- und Nachteile in etwa so zusammen: Das erste Glas auf die Gesundheit. Das zweite und dritte auf die gute Laune. Alle weiteren auf eigene Gefahr.

Was sagen moderne Mediziner?

Im Prinzip gibt es zwei Positionen. Kritiker sehen in Wein vor allem Alkohol, der die Gesundheit gefährden und den Ausbruch mancher Krebsarten begünstigen kann: von der Speiseröhre über Magen und Bauchspeicheldrüse bis zur Leber. Außerdem verweisen sie auf die Suchtgefahr mit negativen psychischen Erscheinungen, Gedächtnistrübung und dem gesellschaftlichen Absturz. Befürworter des moderaten Weingenusses heben die schützenden Eigenschaften hervor, vor allem bezüglich Herz-/Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes oder Demenz, aber auch den Gute-Laune-Effekt.

Kann man alle Konsumenten über einen Kamm scheren?

Natürlich nicht. Die Verträglichkeit hängt von der persönlichen Konstitution, vom Geschlecht, von der Menge sowie vom Alkoholgehalt des Weins ab. Für Männer unbedenklich oder gar förderlich sind 0,4 Liter Wein am Tag, also 30 bis 40 Gramm (g) Alkohol. Für Frauen 0,2 bis 0,3 Liter, also 20 bis 30 g Alkohol: dies bei einem Alkoholgehalt von 13 Volumenprozent. Das belegen etliche Studien.


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Warum vertragen Frauen weniger Wein als Männer?

Für den Abbau des Alkohols im Körper ist ein Enzym verantwortlich, das bei Frauen eine niedrigere Aktivität entwickelt als bei Männern. Zudem haben Frauen im Vergleich zu Männern einen niedrigeren Wasseranteil im Körper. Folglich steigt der Blutalkoholgehalt bei gleicher Trinkmenge schneller an. Beides zusammen führt dazu, dass Kopfweh, Schwindel, Übelkeit und andere Folgen hohen Alkoholkonsums bei Frauen eher eintreten als bei Männern.

Kopfweh und Übelkeit: Kann das nicht auch vom Wein abhängen?

Ja. Vor allem Weine, die besonders stark geschwefelt sind, machen Probleme. Schwefel wird fast jedem Wein bei der Zubereitung zugeführt, er wirkt als Antioxidationsmittel, schützt ihn also vor Luftsauerstoff und konserviert ihn gegenüber Mikroorganismen. Allerdings kann zu viel Schwefel auch Kopfweh, ja sogar Übelkeit oder andere Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen, manche Menschen sind dagegen auch allergisch. Deshalb muss „enthält Sulfite“ inzwischen weinrechtlich auf dem Etikett vermerkt werden.

Gibt es noch andere allergische Reaktionen auf Wein?

Selten, zum Beispiel die Rötung der Haut, Juckreiz oder eine scheinbar verschnupfte Nase: dies eher bei Rotwein als Reaktion auf traubeneigene Proteine aus der Beerenhaut.

Was ist eigentlich im Wein drin?

Ein Liter Wein enthält im Schnitt: 800 bis 900 g Wasser, 20 bis 30 g Glukose und Fruktose, 5 bis 10g Glyzerin, 6 bis 12 g verschiedene organische Säuren, 60 bis 100 g Äthylalkohol, einige Gramm Kalium, Magnesium, Calcium und Eisen sowie verschiedene Gärrückstände der Weinherstellung.

Was bewirken diese Inhaltsstoffe?

Zum Teil sind das richtige kleine Powerpakete. Schon ein bis zwei Gläser Wein können in beachtlichem Maße zur Deckung des täglichen Bedarfs an Mineralstoffen beitragen. Dies gilt vor allem für Kalium, Magnesium, Calcium und Eisen sowie für einige Spurenelemente. Das hauptsächlich in Rotweinen enthaltene Polyphenol hemmt Zellalterung, Entzündungsprozesse, Blutgerinnung und damit die Thrombosebildung.

Welche Bestandteile wirken besonders positiv?

Zum einen sind das Polyphenole, die als Anti-Oxidantien freie Radikale unschädlich machen, welche die Körperzellen schädigen. Insbesondere Procyanidin verhindert offenbar die Verhärtung der Arterien. Dazu kommt Resveratrol, das zumindest im Mäuseversuch „das Herz jung“ gehalten hat. Resveratrol bremst angeblich auch die Entwicklung einer Fettleber, erhöht den Spiegel des „guten“ HDL-Cholesterins, hemmt die Viren- Vermehrung und bremst die Entwicklung von Krebs.

Wann wird Wein zur Sucht?

Problematisch wird es, wenn es keine alkoholfreien Tage mehr gibt. Oft dient der Wein dann auch nicht mehr als Genussmittel, sondern als Medikament: etwa um Frau, Familie und Kollegen zu ertragen oder den Alltag bewältigen zu können. Selbst wenn ich abends regelmäßig erst mal einen Schluck Trollinger oder Riesling brauche, um abschalten zu können, läuft mit Sicherheit etwas falsch.

Wein steht seit Menschengedenken hoch im Kurs, warum?

Weil er ein Kulturgetränk ist, die Stimmung hebt, die Kommunikation fördert, das Gemeinschaftsgefühl stärkt. Schon in der Bibel ist er wichtig. Jesus feierte mit Wein sogar das letzte Abendmahl. Im Altertum war Wein gesünder als das oft verdorbene Wasser, früher konnte er sogar als Medizin aus der Apotheke bezogen werden.

Auslese

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Ob als Winzer, Weinhändler, Gastronom oder Präsident des SC Freiburg: Fritz Keller gehört zu den prägenden Persönlichkeiten des Kaiserstuhls. Seine Leidenschaft für Genuss und Fußball entstammt einer langen Familiengeschichte und ist zugleich ganz und gar mit seinem Naturell verwachsen. Geprägt von der familiären Tradition hat er seinen eigenen Weg gefunden, diese Leidenschaften auch an die kommende Generation mit den Söhnen Friedrich, Vincent und Konstantin weiterzugeben. Dies hat ein vierköpfiges Autorenteam in Wort und Bild festgehalten. In großzügigen Fotos und persönlichen Gesprächen wirft das Buch einen Blick auf die vielfältigen Seiten der Person Fritz Keller. Sein Leben und Wirken als Lokalpatriot und Europäer, als Rebell und Diplomat, als Traditionalist und Visionär. Als Winzer hat er viele Neuerungen im badischen Weinbau angestoßen. Dass badische und französische Küche auf höchstem Niveau harmonieren, beweist er als Gastgeber im Sternerestaurant Schwarzer Adler eindrucksvoll.

Fritz Keller – Wein & Genuss am Kaiserstuhl: Christoph Ruf, Michael Schmidt, Dr. Stefan Pegatzky, Rainer Schäfer, 256 Seiten, 49,90 Euro, Tre Torri Verlag




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Pünktlich zur Pro-Wein stellte der Verband Deutsche Prädikatsweingüter (VDP) sein neues Lagenkompendium vor, in dem er Deutschlands Top-Lagen genau unter die Lupe nimmt. Grundlage für das Buch ist VDP.Weinberg.Online – eine digitale und interaktive Karte der vom VDP klassifizierten und abgegrenzten Weinberglagen. Zu sehen sind 361 sogenannte große Lagen mit Daten über ihre Größe, die gepflanzten klassifizierten Rebsorten, ihre Höhe, Hangneigung, Ausrichtung und Bodenzusammensetzung. Abgerundet werden diese Fakten mit einem beschreibenden Text zum Weinberg, einem Foto sowie einer detaillierten Karte. So vermittelt das Buch ein geschlossenes Bild des Terroirs und der Besonderheiten der jeweiligen Lage.

VDP.Große Lage – The Book erscheint in erster Auflage auf Englisch und ist online zu 19,50 Euro. erhält über www.vdp.de




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Meininger’s Finest 100 nennt der in Neustadt/Weinstraße ansässige Meiniger Verlag sein neues Buch über 100 Top-Weine, 100 Weltklasse- Weingüter, 100 Spitzen-Sommeliers sowie 100 sehr gute Adressen. Man könnte auch ganz einfach von einem Wegweiser durch die gehobene gastronomische Weinlandschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz sprechen. Ein fünfköpfiges Autorenteam stellt jeweils auf einer Doppelseite beste Wein-Adressen in der Gastronomie, deren Sommeliers und deren liebste Tropfen vor: von der kleinen Weinbar bis zum glamourösen Luxushotel. Lauter Lokale, in denen der Gastgeber persönlich oder der Sommelier die Gäste für Wein begeistert, Erlebnisse bietet, unvergessliche Genuss-Momente schafft.

Sascha Speicher: Meininger’s Finest 100, 232 Seiten, 29,90 Euro, Meininger Verlag