Spitznamen kommen tierisch gut

Von Bewohnern, die Schwein gehabt haben und solchen, die ein zusätzliches G’schäft benötigten

Bauhofmitarbeiter bepflanzen 2008 den mit Tierfiguren bestückten „Spitznamen-Kreisel“ zwischen Untergruppenbach und Donnbronn. Foto: Archiv/Nickel
Bauhofmitarbeiter bepflanzen 2008 den mit Tierfiguren bestückten „Spitznamen-Kreisel“ zwischen Untergruppenbach und Donnbronn. Foto: Archiv/Nickel
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Von unserer Redakteurin Ulrike Kübelwirth

Weil Untergruppenbach eine Flächengemeinde ist, gehören zu ihr in heutiger Zeit auch die Weiler Donnbronn sowie die Teilorte Obergruppenbach, Oberheinriet und Vorhof. Klar, dass all diese Flecken ihre eigenen Spitznamen haben.

Untergruppenbacher Säuküwel
In früheren Zeiten wurden fast überall in den Dörfern Schweine gezüchtet. Doch in Untergruppenbach offenbar noch ein paar mehr als anderswo: In fast jedem Haushalt, so heißt es, habe es ein Schwein gegeben, das für die eigene Schlachtung großgezogen wurde. Und wo es ein Schwein gab, gab es auch ein „Saubutzel“, zu gut deutsch einen Schweinekübel – oder wie die Nachbarn der Untergruppenbacher sagten: Säuküwel.

Donnbronner Waldratten
Die Gegend um Untergruppenbach besteht aus überdurchschnittlich vielen Waldflächen. Noch heute sind es auf Gemeindemarkung mehr als 44 Prozent. Das ist auch dem Weiler Donnbronn zu verdanken, der einst von Wald umgeben war. Und das verhalf den Bewohnern zu Arbeit.

Weil die Höfe ziemlich klein waren, suchten sich die Bauern – besonders während der weniger arbeitsreichen Zeit im Winter – „G’schäft im Wald“ – und somit einen zusätzlichen Verdienst. Nicht nur die Männer, auch junge Frauen und Mädchen verdingten sich damals als Waldarbeiterinnen, Grasmädle, die bei der Getreideernte halfen, und Pflanzgehilfen, die Bäume setzten sowie bei deren Hege und Pflege halfen.

Dementsprechend ausgestorben wirkte der Weiler. Zumindest tagsüber war dort kaum eine Menschenseele anzutreffen. Dieser Umstand war es, der vermutlich dafür sorgte, dass die Donnbronner fortan – ebenso wie die Obergruppenbacher – zu Waldratten wurden.

Krappen und Schnecken
Klar ist, dass die Unterheinrieter Krappen – also Raben – genannt werden. Die Vorhofer hingegen sind Schnecken. Woher die beiden Orte ihre Spitznamen bekamen, ist leider nicht mehr überliefert. Dennoch spielen die Uz-Namen im Leben der Gemeinde noch immer eine Rolle – wie eine Gemeinderatsdiskussion aus dem Jahr 2007 beweist.

Damals ging es um die optische Gestaltung des Untergruppenbacher Kreisels. Der damalige CDU-Rat Norbert Weinert setzte sich für Holzskulpturen ein, die es in ähnlicher Art an anderer Stelle schon gibt. Sie stellen die Spitznamen der Teilorte dar: Donnbronner und Obergruppenbacher Waldratten, Vorhofer Schnecken, Untergruppenbacher Sauen (Säuküwel) oder Unterheinrieter Krappen (Krähen).

Seither geht es auf dem Kreisel zwischen Untergruppenbach und Donnbronn tierisch zu – eine Sau mit Kübel, zwei Krappen, zwei Waldratten und eine Schnecke haben sich auf der Verkehrsinsel breit gemacht. 

    

HNV-Fahrplantipps

In Untergruppenbach verkehren tagsüber fünf Regionalbuslinien im Stundentakt nach Abstatt, Beilstein, Heilbronn, Ilsfeld, Kirchheim und Neckarwestheim. Dazu gibt es zu Hauptverkehrs- und Schulzeiten einzelne Verstärkerfahrten. In etwa einer halben Stunde Fahrtzeit erreicht man Heilbronn – und damit überregionale Zugverbindungen in Richtung Würzburg, Heidelberg und Mannheim. Auch Kirchheim erreicht man nach einer halben Stunde und hat dort Anschluss an die Züge nach Stuttgart. red

Reichsapfel als Fleckenzeichen

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Relativ schlicht präsentiert sich das Untergruppenbacher Gemeindewappen: Ganz in Rot gehalten mit einem goldenen Reichsapfel, der ein ebenfalls goldenes Kleeblattkreuz besitzt. Die Flagge der Gemeinde ist Gelb-Rot.

Der Reichsapfel ist vermutlich das Gruppenbacher Fleckenzeichen. Erstmals ist er auf einem Gerichtssiegel aus dem Jahre 1726 zu sehen. Außerdem gibt es eine Wappendarstellung von 1740 am Rathaus und etliche alte Marksteine mit dem Motiv. Ob der Reichsapfel auf die frühere kurpfälzische Lehnsherrschaft zurückgeht, wie teils angenommen wurde, ist bislang nicht schlüssig geklärt. Im 19. und 20. Jahrhundert tauchte vorübergehend ein anderes Wappen auf, das in einem Wellenbalken einen Fisch zeigte und wahrscheinlich den Gruppenbach symbolisieren sollte.

1939 wurde mit Zustimmung der württembergischen Archivdirektion endgültig der Reichsapfel als Wappenfigur festgelegt. Wappen und Flagge wurden der Gemeinde am 4. März 1963 vom baden-württembergischen Innenministerium verliehen.