Über Nacht zur Stadt geworden

Zum zweiten Mal wurden am Neujahrstag die Ortstafeln ausgetauscht

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Von Josef Staudinger

Feierlich wie immer begrüßten die meisten Leingartener Einwohner das Jahr 2020, stießen pünktlich um Mitternacht mit Freunden und Bekannten an, genossen das bunte Feuerwerk am Himmel oder ließen selbst ein paar Raketen los. Doch der 1. Januar war diesmal etwas Besonderes, ein historischer Tag für Leingarten: Als 18. Kommune im Landkreis Heilbronn und 314. in Baden-Württemberg bekam Leingarten die Stadtrechte.
   
Freude bei Gemeinderäten und Bürgermeister Ralf Steinbrenner (oben) am Neujahrsmorgen 2020: Rechts stehen die Zeitzeugen Erich Landesvatter mit dem Hufeisen von damals und verdeckt Klaus Werner.
Freude bei Gemeinderäten und Bürgermeister Ralf Steinbrenner (oben) am Neujahrsmorgen 2020: Rechts stehen die Zeitzeugen Erich Landesvatter mit dem Hufeisen von damals und verdeckt Klaus Werner.
Bürgermeister Ralf Steinbrenner ist stolz darauf. Die Hochstufung bedeute eine Stärkung der gemeinsamen Identität der ehemals selbstständigen Orte Schluchtern und Großgartach, die sich vor 50 Jahren zu Leingarten verbunden haben. „Ich wünsche der pulsierenden und lebenswerten Stadt zur goldenen Hochzeit ein tolles Festjahr“, sagte Steinbrenner.

Seit dem 1. Januar 1970 zieren das Schwert des heiligen Pankratius (Schluchtern) und der Rost des Mönchs Laurentius (Großgartach) gemeinsam ein Wappen. Rund 6350 Einwohner zählte Leingarten vor einem halben Jahrhundert, heute leben fast 12 000 Menschen in der frisch gekürten Stadt.

Zum zweiten Mal nach 1970 gab es am Neujahrstag wieder einen Austausch der Ortstafeln. Acht gelbe Schilder mit der Aufschrift „Stadt Leingarten“ hatten die Bauhofmitarbeiter Mitte Dezember an den Zufahrtsstraßen montieren lassen. Die alten Ortsschilder wurden zuvor abgeschraubt und mit Kabelbinder auf den neuen befestigt.
   
Blick zurück: Klaus Werner, Erich Landesvatter, Heinz Koch und Wilhelm Späth (v.l.) waren dabei, als 1970 aus Schluchtern und Großgartach Leingarten wurde. Fotos: Archiv/Staudinger
Blick zurück: Klaus Werner, Erich Landesvatter, Heinz Koch und Wilhelm Späth (v.l.) waren dabei, als 1970 aus Schluchtern und Großgartach Leingarten wurde. Fotos: Archiv/Staudinger

Frostige Temperaturen und Schneetreiben herrschten vor 50 Jahren, als die Ortstafeln von Großgartach und Schluchtern in „Leingarten“ umgetauscht wurden. Weit bessere Bedingungen fanden die Teilnehmer am Neujahrstag 2020 vor, als Bürgermeister Ralf Steinbrenner Punkt 15 Uhr eines der acht neuen Ortsschilder mit der Aufschrift „Stadt Leingarten“ am Verkehrskreisel an der Stuttgarter-/Nordheimer-Straße enthüllte. Beifall brandete auf, als die neue Ortstafel unter dem roten Tuch zum Vorschein kam. Bei der Zeremonie dabei waren auch drei Zeitzeugen von 1970: Der 88-jährige Erich Landesvatter, Heinz Koch (83) und der jüngste im Bunde, Klaus Werner (62).

Souvenir
Eigentlich wollten die Bauhofmitarbeiter die anderen sieben Schilder im Verlauf des ersten Tags des neuen Jahres tauschen. Die Arbeit können sie sich sparen, denn die meisten davon hatten sich bereits diebische Souvenirjäger unter den Nagel gerissen.

Nach der Enthüllung des Ortsschildes lud Bürgermeister Ralf Steinbrenner die Beteiligten zu einem kleinen Umtrunk auf den Rathausvorplatz ein, um gemeinsam mit der Bevölkerung auf die Stadt Leingarten anzustoßen. Die musikalischen Glückwünsche überbrachten die Alphornbläser der Heuchelberger Alphornbrass.