Spitznamen von Bad Offenau: Kornlupfer

Ortschaft war eines der ältesten Soleheilbäder im Land – Neidische Wimpfener verpassen ihren Nachbarn den Spitznamen

Dank der Saline Clemenshall wurde im 19. Jahrhundert aus Offenau Bad Offenau. Fotos: leo.bw/privat
Dank der Saline Clemenshall wurde im 19. Jahrhundert aus Offenau Bad Offenau. Fotos: leo.bw/privat
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Mit seiner 800 Meter breiten Talaue und seinen fruchtbaren Böden ist Offenau seit jeher ein von der Natur verwöhnter Flecken. Gute Ernten sorgten in früherer Zeit dafür, dass es den Offenauern nie allzu schlecht ging. Hungerleiden mussten sie selten. Als dann noch im 18. Jahrhundert die Saline Clemenshall ihren Betrieb aufnahm, florierte die Gemeinde kräftig – was den Offenauern einen gewissen Wohlstand und zugleich den Neid ihrer Nachbarn einbrachte. Die waren es auch, die den Bewohnern der Neckartalgemeinde ihren Spitznamen gaben.

Kornlupfer - Reich waren sie, die Offenauer Bauern. Kein Wunder. Auf ihren fruchtbaren Äckern gedieh es prächtig. Die günstige Lage und der Sandboden sorgten dafür, dass die Offenauer ihre erste Ernte weit vor allen anderen einfahren konnten. Stand das Korn in voller Reife, erregte es stets den Neid der Nachbarn. Missgunst kam besonders bei den Wimpfenern auf. Sie vermuteten stets, die reichen Bauern aus Offenau hätten wohl eine besondere Art entdeckt, ihr Korn reifen zu lassen. Alljährlich zur Erntezeit hätten sie vom Berg ins Offenauer Flusstal geblickt – stets das Korn im Visier – und hätten dabei gesagt: „Die Offenauer habens gut. Ich glaub, die gehe nachts raus und lupfe heimlich s’Korn, damit’s schneller wächst.“ So sind die Offenauer zu Kornlupfern geworden.
   
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Die fetten Ernten der Offenauer hatten sich in früherer Zeit sogar bis Haßmersheim herumgesprochen. Dort kommt nämlich der folgende Spruch her: „Offene isch’s Häfele, Dutteberg s’Deckele, Gundelse die Kenigsstadt, Bettinge de Bettelsack, Haßemse de Woischlauch un Zimmern des Hutzelbauch.“

Gefragter Kurort - Fast in Vergessenheit geraten ist auch, dass Offenau im 19. Jahrhundert ein gefragter Kurort gewesen ist. Als eines der ältesten Soleheilbäder im Land, in denen Gäste unter ärztlicher Aufsicht kurten, beherbergte der Ort Besucher von Rang und Namen.

Der Deutsche Orden war es gewesen, der im 16. Jahrhundert damit begonnen hat, die dortigen Salzquellen für Heilzwecke zu nutzen. Um 1560 nahm das Sommerkurbad Offenau in einer umgebauten Feldscheune in der Nähe des solehaltigen Badebrunnens seinen Betrieb auf. 1754 wurde die Königliche Saline Clemenshall gegründet. Der heutige alte Ortskern entstand aus einer Siedlung der Salinearbeiter.

Der erste dokumentierte Badegast war damals die regierende Markgräfin Anna von Baden-Durlach. Gegenüber der Heidelberger Kurfürstin Elisabeth von der Pfalz schwärmte die Markgräfin von ihrem wohltuenden Aufenthalt in Offenau.

Die hochwohlgeborenen Gäste mussten zunächst in Privatquartieren übernachten. Später folgten einfache Gasthäuser. 1790 schließlich eröffnete das Kurhotel Linde mit Badeeinrichtungen und einem Kurpark. Der Bäderbetrieb florierte prächtig. Jahrhundertelang. Deshalb wurde dem Ort im 19. Jahrhundert auch der Titel „Bad“ verliehen. Und – der Ort bekam aufgrund seiner hohen Besucherfrequenz 1879 seinen eignen Bahnhof.

Neben Bad Wimpfen, Bad Rappenau und Bad Friedrichshall logierten die Kurgäste also auch in Bad Offenau. Dies blieb so, bis die Saline Clemenshall im Jahr 1929 geschlossen wurden. Damit kam der Bäderbetrieb im Ort noch vor dem Zweiten Weltkrieg zum Erliegen.

Die in der Nähe der Neckarbrücke nach Bad Wimpfen gelegenen Solequellen der Gemeinde lieferten ihr salzhaltiges Nass noch bis 1969 an die Saline in Bad Friedrichshall-Jagstfeld.

Von unserer Redakteurin Ulrike Kübelwirth
  

HNV-Fahrplantipps

In Offenau gibt es zwei Regionalbuslinien und eine Haltestelle der Stadtbahn. Mit den Regionalbuslinien gibt es eine direkte Verbindung zwischen Gundelsheim, Offenau und Bad Friedrichshall. Dadurch besteht die Möglichkeit, in Bad Friedrichshall auf verschiedene Regionalzüge in Richtung Würzburg, Heilbronn, Stuttgart oder Mannheim umzusteigen. Dazu gibt es Busverbindungen in die umliegenden Gemeinden – auch nach Bad Wimpfen. Mit der Stadtbahn besteht die Möglichkeit in den Neckar-Odenwald- Kreis bis nach Mosbach zu fahren oder in der Gegenrichtung in die Heilbronner Innenstadt. red
  

Reichsapfel mit drei Salzwürfeln

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Das heutige Offenauer Wappen ist noch relativ jung: Erst seit 1939 wird es in dieser Form geführt. Auf blauem Grund zeigt es einen goldenen (gelben) Reichsapfel, darüber sind drei aneinandergerückte silberne (weiße) Salzwürfel als Beizeichen drapiert. Der Reichsapfel erschien erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf den Gemeindesiegeln. Seine Bedeutung für den Ort ist bis heute noch nichtt geklärt.

1938 legte die baden-württembergische Archivdirektion die Farben des Offenauer Wappens fest – und schlug zur Unterscheidung von ähnlichen Wappen die drei Salzwürfel vor, die auf das Salzvorkommen der 1754 gegründeten ehemaligen Offenauer Saline Clemenshall hinweisen.

Das noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs angenommene Wappen und Flagge wurden der Gemeinde vom Innenministerium des Landes am 4. März 1962 verliehen. Die Gemeindefarben sind Gelb-Blau.

Naturräumlich betrachtet ist die Gemeinde zweigeteilt: Die tiefer gelegenen Gebiete entlang des Neckars gehören zum Heilbronn- Wimpfner Tal, die höher gelegenen Teile zur Krummen Ebene. red