Wenn aus Hunden Bestien werden...

Wie eine fröhliche Zecherei zur Jagd im Aspenwald führte

Aug’ in Aug’ mit zwei Braunbären wähnte sich ein betrunkener Oedheimer im Aspenwald. Die anschließende Jagd nach den vermeintlich gefährlichen Bestien blieb freilich erfolglos. Foto: dpa
Aug’ in Aug’ mit zwei Braunbären wähnte sich ein betrunkener Oedheimer im Aspenwald. Die anschließende Jagd nach den vermeintlich gefährlichen Bestien blieb freilich erfolglos. Foto: dpa
Von unserer Redakteurin Ulrike Kübelwirth

Die Gemeinde Oedheim gehört zu jenen, die ihren Spitznamen in der Tat nur einem einzigen Mann zu verdanken haben. Seine Geschichte reichte dazu aus, den Bewohnern des gesamten Ortes schon vor langer Zeit den Stempel „Bärentreiber“ aufzudrücken.

Bärentreiber
Der Oedheimer an sich ist ein geselliger Mensch – und einem Gläschen in fröhlicher Runde nicht abgeneigt. Das war auch schon vor ein paar Jahrhunderten so, als sich ein Oedheimer nach dem Zechen im Wirtshaus auf den Weg zum Lautenbacher Hof gemacht hatte. Der lag zwar auf Oedheimer Markung – aber doch ziemlich abseits. In früherer Zeit war der Weg dorthin dunkel und gruselig – zumal dann, wenn man ein wenig zu tief ins Glas geschaut hatte. Dass die beiden zum Hofgut gehörenden großen Hunde zuweilen auf eigene Faust durch die Flur streunten, machte die Lage nicht besser.
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Bis zum Gemeindewald Aspenloch war der gut Angeheiterte auf seinem Weg schon gekommen, als er just den beiden Hofhunden begegnete. Da er infolge seines übermäßigem Alkoholgenusses nicht mehr wirklich gut sah und auch die Größe der Tiere nicht mehr einzuschätzen vermochte, war er sich sicher, gerade zwei Bären zu begegnen. Obwohl – oder gerade weil ihm ein Riesenschreck in die Glieder fuhr, lief er so schnell ihn seine wackeligen Beine trugen in den Ort zurück und schlug – ob der Bestien, denen er vermeintlich begegnet war – Alarm.

Für ausgeschlossen hielten die Oedheimer die Geschichte nicht. Also traten sie gut bewaffnet zur Bärenjagd im Aspenwald an. Dort angekommen, fanden sie von Meister Petz allerdings keine Spur – nur die beiden Hunde vom Lautenbacher Hof konnten aufgespürt werden. Damit endete die erfolglose Bärenjagd der Oedheimer. Dachten sie. Denn die Geschichte machte in Windeseile die Runde – besonders in den Nachbarorten. Und dort verpasste man den mutigen Jägern ihr Bärentreiber-Prädikat, das sich bis heute hartnäckig hält.

Degmarner Makko
Weniger skurril ist die Geschichte, die den Degmarnern zu ihrem Uz-Namen verhalf. Viele der Bewohner des heutigen Oedheimer Ortsteils verdienten in früherer Zeit ihren Lebensunterhalt als „fliegende Händler“. Auf den Märkten im Land präsentierten sie ihr Angebot, wobei die meisten von ihnen mit Trikotwaren handelten. Auf die Qualität der guten Baumwolle sollen sie ihre Kundschaft weiland mit dem immer gleichen Ruf: „Makko, Makko“ aufmerksam gemacht haben.
  

Fahrplantipps

In Oedheim fahren die Regionalbuslinien 625 und 628 stündlich nach Neuenstadt und Bad Friedrichshall mit einzelnen Verstärkerfahrten zu den Schulzeiten und Hauptverkehrszeiten.

In Neuenstadt besteht Anschluss an weitere Regionalbuslinien in Richtung Möckmühl, Öhringen und Heilbronn. In Bad Friedrichshall besteht an der Haltestelle Hauptbahnhof die Möglichkeit auf die Stadtbahnlinien S41 und S42 in Richtung Heilbronn, nach Bad Rappenau/Sinsheim oder Mosbach umzusteigen. Außerdem gibt es Umsteigemöglichkeiten auf Regionalzüge.

Missverständnis mit dem Fisch

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Das Oedheimer Wappen zeigt in der unteren Hälfte einen schwimmenden silbernen Fisch auf blauem Grund. Darüber ist ein rot bekleideter Mann mit roter Mütze dargestellt, der in jeder Hand einen aufrechten schwarzen Pfeil hält. Die Flagge der Gemeinde ist Rot-Weiß.

Sogar zwei Wappen sind auf einem Stein aus dem Jahr 1600 am Oedheimer Rathaus zu sehen: Einmal der rotgekleidete Mann mit Pfeilen in den Händen in silbernem Feld und einer silbernen Pflugschar, wahrscheinlich das Oedheimer Fleckenzeichen, in rotem Feld. Die Bedeutung des Mannes ist nicht geklärt. Das Pflugscharwappen wird auch in Siegeln der Jahre 1607 bis 1623 verwendet. In späteren Siegeln von 1842 und 1914 wurden beide Wappen zu einem vereinigt, mit der Pflugschar im Schildfuß. Die Pflugschar wurde in einem Stempel von 1930 durch einen Pflug ersetzt, 1952 wurde aus dem Pflug offenbar durch ein Missverständnis ein Fisch. Dieser wird als Hinweis auf den Kocher verstanden. Wappen und Flagge wurden der Gemeinde am 17. August 1953 von der vorläufigen baden-württembergischen Regierung verliehen.