„Grad i kann frei raussage: Griesbrei“

Spitzname der Deutschordensstädter verweist auf wenig schmeichelhafte Eigenschaften

Groß war die Liebe der Tiefenbacher zu ihrem einzigen Frosch im Ort. Als dieser bei einem Unwetter fortgeschwemmt und schließlich von einem Müller gerettet wurde, errichteten die Dörfler ein hohes Geländer um den Feuersee. Foto: dpa
Groß war die Liebe der Tiefenbacher zu ihrem einzigen Frosch im Ort. Als dieser bei einem Unwetter fortgeschwemmt und schließlich von einem Müller gerettet wurde, errichteten die Dörfler ein hohes Geländer um den Feuersee. Foto: dpa
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Von unserer Redakteurin Ulrike Kübelwirth

Nix ist fix, kann man sagen, wenn es um die Spitznamen der Deutschordensstadt Gundelsheim und den Necknamen ihrer Stadtteile geht. Vieles bleibt im Dunkeln. So ist bis heute ungeklärt, wie die Höchstberger Steigegigger, die Obergriesheimer Ochsehörner und Bärenjäger oder die Bachemer Schlappe zu ihren Spitznamen kamen.

Gundelser Lorpser
Das mit dem Lorpsen ist so eine Sache, weil heute eigentlich keiner mehr so genau weiß, was „lorpsen“ bedeuten soll. Übriggeblieben sind drei Erklärungen, und alle sind nicht gerade schmeichelhaft. Böse Zungen behaupten, dass die Gundelsheimer früher Martin Luthers Frage „Warum rülpset ihr nicht“ allzu wörtlich genommen hätten – auch in Gesellschaft.

Fragt man die Deutschordensstädter selbst, so lautet die Antwort, dass der Spitzname wohl vom Schlurfen komme, einem Geräusch, das Füße verbreiten, wenn sie über den Boden schleifen. Hergeleitet wird demnach „lorpsen“ von dem Wort Lurch – einem Tier, das schwerfällig watschelt – und dem Schlurchen, das entsteht, wenn man die Füße beim Gehen nicht vom Boden abhebt.

Variante Nummer zwei wäre die, dass lorpsen von „lurken“ – althochdeutsch für stammeln – kommt. Während es Gegenden gibt, wo das „r“ besonders hart, scharf und rollend ausgesprochen wird, wird in der Gegend um Gundelsheim das weiche Zäpfchen–„r“ benutzt – das Lorpsen. Mit dieser Abart des Stammelns sind die Deutschordensstädter aber nicht allein. Auch den Gochsheimern wird nachgesagt, genau dies zu tun. Deshalb ist deren Spruch: „Mei Vadder lorpst, mei Mudder lorpst, grad i kann frei raussage: Griesbrei“ auch in Gundelsheim durchaus nicht unbekannt.
   

 Kwasny
Kallenberger GmbH & Co. KG

Tiefenbacher Frösch
Es ist eine rührende Geschichte, die den Tiefenbachern zu ihrem Spitznamen verhalf. Vor langer Zeit soll sich im damaligen Feuersee ein einzelner, einsamer Frosch niedergelassen haben, den die Tiefenbacher liebten. Durch ein schweres Gewitter mit Starkregen sei der Dorffrosch von seinem angestammten Platz vertrieben und in den Tiefenbach gespült worden. Dort trieb er weit ab bis zur Müßigmühle, wo ihn der Müller entdeckte. Weil das Tier kurz davorstand, ins Mühlrad zu gelangen und damit auch sein letztes Stündlein geschlagen hätte, sprang der tapfere Müller, der offenbar nicht schwimmen konnte, unter Einsatz seines Lebens ins Wasser, um den armen kleinen Frosch zu retten. Eine Aktion, bei der Müller Häberle – so heißt es zumindest in einem überlieferten Gedicht zwar „schier versoffe“ sei. Aber halt nur „schier“, denn immerhin ist es ihm gelungen, den Tiefenbacher Frosch zu fangen und ihn wieder zurück an seinen angestammten Platz zu bringen. Das freute die Bewohner so sehr, dass sie dem Tier nicht nur einen großen Bahnhof bereiteten, sondern auch ein hohes Geländer um den Feuersee gebaut und obendrein ein Wehr errichtet haben, das sich mit einer Handkurbel bedienen ließ. Einfach nur, um den Frosch bei sich im Dorf zu behalten.

Böttinger Zigeunerspitz
Oft und gerne machte in früherer Zeit fahrendes Volk im heutigen Gundelsheimer Stadtteil Rast, wobei die Landfahrer ihr Lager vornehmlich am Neckarknie aufschlugen, das einer Landspitze gleicht. Schnell hatten die Böttinger deshalb ihren Urnamen weg: Zigeunerspitz.
   

Fahrplantipps

Gundelsheim verfügt über einen Regionalzug- und Stadtbahnhalt. Außerdem wird die Stadt von drei Regionalbuslinien angefahren. Die Busse fahren mehrmals in der Stunde nach Tiefenbach, Höchstberg, Offenau oder Bad Friedrichshall. Mit der Stadtbahn besteht eine stündliche Verbindung in Richtung Mosbach oder Heilbronn. Zusätzlich hält zu den Hauptverkehrszeiten am frühen Morgen und späten Nachmittag vereinzelt die Regionalzuglinie RE10, dadurch besteht Anschluss in Richtung Mosbach oder Heilbronn und Stuttgart. Zusätzlich besteht am Bahnhof in Bad Friedrichshall die Möglichkeit zum Umstieg nach Würzburg, Osterburken, Sinsheim, Heidelberg und Mannheim. Am Faschingsdienstag, 25. Februar, halten zusätzlich fünf Regionalzüge der Linie RE10 auf ihren Fahrten in Richtung Mannheim oder Heilbronn und Stuttgart. red

Deutscher Orden steht im Mittelpunkt

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Das gevierteilte Gundelsheimer Stadtwappen verweist auf die Geschichte des Deutschen Ordens. Im ersten Feld ist ein durchgehendes schwarzes Kreuz auf silbernem Grund zu sehen – das Deutschordenskreuz, das der Stadt im Jahr 1538 von Deutschmeister Walther von Cronberg verliehen wurde. Das zweite, noch einmal gevierteilte Feld, zeigt zwei rote sowie zwei silberne Quadrate mit je vier Eisenhüten. Diese Symbolik wurde dem Familienwappen der von Cronbergs entnommen. Im dritten Feld ist ein mit Kresselrinken (Kesselgriffen) besetztes Kreuz zu sehen – die sogenannte Kirchenspange. Das vierte und letzte Feld zeigt einen blauen Schräglinksbalken auf goldenem Feld, darunter der Großbuchstabe G. Der Balken deutet auf die Lage der Stadt am Neckar hin, das große G auf den Stadtnamen. Nachgewiesen wird das Wappen erstmals 1627. Von 1904 bis 1937 wurde es durch ein neues ersetzt, das einen grünen Rebstock auf einem weißen Dreiberg zeigt – wovon sich die heutigen Stadtfarben Grün-Weiß ableiten. Danach kehrten die Gundelsheimer wieder zu ihrem ursprünglichen Wappen zurück.