Mutige Bauern und respektlose Untertanen

Wie die Kernstadt und ihre sechs Ortsteile zu ihren Spitznamen kamen

Genial gescheitert sind die Rappemer Wolfsstecher: Sie erstachen im 30-jährigen Krieg bei ihrer Jagd nach den Raubzüge treibenden Wölfen den Esel ihres Müllers. Foto: dpa
Genial gescheitert sind die Rappemer Wolfsstecher: Sie erstachen im 30-jährigen Krieg bei ihrer Jagd nach den Raubzüge treibenden Wölfen den Esel ihres Müllers. Foto: dpa
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Von unserer Redakteurin Ulrike Kübelwirth 

Noch heute sind die Rappenauer Wolfsstecher. Zurück geht der Name auf die Zeit des 30-jährigen Krieges, als in der Gegend Wölfe überhand genommen hatten. Auf Geheiß des Schultheißen machten sich eines Tages ein Schütz und einige Bauern auf in die Schluchten des Unteren Mühlbaches und des Erbaches, um den dort hausenden Wölfen den Garaus zu machen. Die mit Mistgabeln, Sensen und Knüppeln bewaffneten Wolfsjäger gerieten in dichten Nebel. Sie durchquerten gerade das Mühltal, als der Vorderste rief: „Habt acht, ein Wolf.“ Auszumachen war freilich nur ein schemenhaftes Wesen. „Stech zu“, forderte der Anführer den Mann mit der Sense auf. Der tat, wie ihm geheißen, und schon erscholl der Schrei „Iaah“. Die Rappemer hatten bei ihrer Wolfsjagd den Esel des Müllers erstochen – und ihren Spitznamen weg.

- Heinsheimer Hühnertreiber: Respektlos seien sie, seine Untertanen. So beschwerte sich im September 1684 Junker Wolf Adam von Helmstadt als Mitherrscher über das Dorf. Keinen Respekt hätten die Menschen vor ihm, nie würden sie im Vorbeigehen den Hut vor ihm ziehen, nie grüßen. Aus diesem Grund wurden mehrere Zeugen vernommen. Und dabei kam heraus, dass von Helmstadt sich dies selbst zuzuschreiben hatte, weil er – alles andere als edelmännisch – nicht nur Schafe, Ochsen und Hühner ohne Scheu hütete, sondern „auch jederzeit mit dergestaltig alten schlechten und zerrissenen Kleidern aufzuziehen pflege, daß man in ehrndter vor einem Bawern oder Hirten, als einen Cavalier ansehe“. So wurden die Heinsheimer zu Hühnertreibern.

- Obergimperner Brückenhossler: Als der Bach noch durch Obergimpern führte, nannte der Ort auch drei Holzbrücken sein Eigen. Auf denen hockte die gesamte Dorfjugend und schaukelte (hosselte). Wer frech war, so wird erzählt, wurde ins Wasser geworfen. Wer ein Obergimperner Mädchen heiraten wollte, musste Bachwasser trinken – erst dann wurde er in die Gemeinschaft der Brückenhossler aufgenommen.

- Treschklinger Kircheruckes: Mit Unwillen hatten die Treschklinger eines Tages festgestellt, dass sich ihre Kirche nicht in der Mitte des Ortes befand. Nach gründlichen Überlegungen, wie dem abzuhelfen sei, riefen sie sonntags nach dem Gottesdienst alle Einwohner zusammen, um mit vereinten Kräften die Kirche in die Dorfmitte zu schieben. Der Schultes suchte einen Platz aus, markierte die Stelle mit seinem Kittel und das Gotteshaus wurde geruckt. In der Zwischenzeit hatte allerdings ein vorbeiziehender Handwerksbursch’ den Kittel geklaut. Im Übereifer rückten die Treschklinger das Gebäude immer weiter, weil sie dachten, dass der Kittel ja irgendwann wieder auftauchen müsse. Da bemerkten sie, dass sie bereits wieder am Ortsende angelangt waren. Auch wenn der Standort wieder nicht stimmte – den Kirchenruckes fehlte die Kraft, wieder von vorn zu beginnen, und so blieb das Gotteshaus wo es war.

- Bonfelder Stolzbackenbärt: Neiderfüllt hatten die männlichen Nachbarn in früherer Zeit nach Bonfeld geschielt. Denn dort, so heißt es, sei die Haarpracht der Männer dermaßen üppig gewesen, dass selbst die Backebärte prächtig wucherten. Ob dies daher kam, dass sie ihren Most zur Haarpflege hernahmen, lässt sich heute nicht mehr sagen. Genau sagen lässt sich aber, dass die Nachbarn den Bonfeldern die Stolzbackenbärt verpassten. Den zweiten Uznamen, den die Bonfelder tragen, ist Seebrenner. Bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gab es dort einen See, der sollte trockengelegt werden – durch Abbrennen. Die Bonfelder „deckten“ das Wasser mit Stroh ab, legten Feuer – und scheiterten.

- Babstadt Kuckucke: Die Babstadter selbst führen ihren Spitznamen auf ihr altes Wappen zurück, das einen Vogel zeigt, höchstwahrscheinlich einen Kuckuck. Die Nachbarn hingegen versichern, dass Babstadt den Namen bekam, weil es im Gegensatz zu allen anderen Orten eben keinen Wald hatte – und somit auch keine Kuckucke.

- Fürfelder Blechköpf’: Die erste Variante, die zu erklären versucht, woher der Spitzname kommt, ist die: Die Bewohner seien furchtbar stur gewesen und wollten immer mit dem Kopf durch die Wand. Variante zwei, die aus der Bonfelder Ecke kolportiert wird, besagt, es habe früher in Babstadt sehr viele Rothaarige gegeben. Und so seien sie von Kupferdächle zu Blechköpf’ geworden.

   

Fahrplantipps


Von der Regionalzuglinie RE 10 über die Stadtbahnlinie S42 bis hin zu verschiedenen Regionalbuslinien ist Bad Rappenau gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Es gibt zwei Stadtbahn- und eine Regionalzughaltestelle. Züge fahren nach Bad Wimpfen, Bad Friedrichshall, Heilbronn und in der Gegenrichtung Sinsheim, mit dem RE 10 erreicht man Stuttgart, in der Gegenrichtung Heidelberg und Mannheim. Mit den Regionalbussen erreicht man umliegende Gemeinden im Landkreis. Außerdem gibt es Verbindungen in den Landkreis Rhein-Neckar und den Neckar-Odenwald-Kreis. red

Rappe der von Gemmingens

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Das Bad Rappenauer Stadtwappen geht auf das Jahr 1820 zurück und zeigt das Wappen der früheren Ortsherren, derer von Gemmingen. Im Gemeindesiegel dargestellt ist ein Rappe. Da im Original das schwarze Ross den blauen Schildgrund teilweise überdeckte und so gegen die heraldische Farbregel verstieß, wurden vom Original der von Gemmingen nur die Farben übernommen. Die Herrschaft der von Gemmingens währte von 1592 bis zum Jahre 1806, als Rappenau durch den Reichsdeputationshauptschluss an das Großherzogtum Baden ging. Damals verloren die Freiherren von Gemmingen zwar alle ihre obrigkeitlichen Rechte, blieben aber weiterhin der größte Grundbesitzer des Ortes und dessen Umgebung.

Wappen und Stadtflagge in den Farben Schwarz und Gelb wurden der Gemeinde Bad Rappenau am 26. September 1957 vom Innenministerium Baden-Württemberg verliehen. Das Blau des Schildes kennzeichnet das Element Wasser. Es steht für die Bodenverhältnisse (Au), die Solebäder und die verschiedenen Seen. Deshalb steigt der Rappe in eine gute Zukunft auf.