Krämpfe, Grummeln und Gase

Reizdarmsyndrom kann die Lebensqualität beeinträchtigen – Bis zu zehn Prozent der Bevölkerung sind betroffen

Was ist verträglich, was nicht? Ein Ernährungstagebuch kann Reizdarmpatienten helfen, dies herauszufinden. Experten empfehlen eine ausgewogene, faserreiche Kost. Foto: Monstar Studio/stock.adobe.com
Was ist verträglich, was nicht? Ein Ernährungstagebuch kann Reizdarmpatienten helfen, dies herauszufinden. Experten empfehlen eine ausgewogene, faserreiche Kost. Foto: Monstar Studio/stock.adobe.com
VON UNSERER REDAKTEURIN
RENATE DILCHERT 


Es grummelt nach jeder Mahlzeit im Bauch? Krampfartige Beschwerden und Blähungen stellen sich regelmäßig ein? Verstopfung? Durchfall? Wer über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten mit mehreren dieser Beschwerden abwechselnd oder gleichzeitig zu tun hat, könnte unter einem Reizdarmsyndrom (RDS) leiden.

Die Diagnose ist nicht leicht zu stellen, denn unter dem Begriff Reizdarm werden verschiedene Krankheitszeichen zusammengefasst, für die keine organischen oder biochemischen Veränderungen erkennbar sind, heißt es bei den Internisten im Netz.

Dabei ist die Erkrankung keineswegs selten: In den Industrieländern gehört das Reizdarmsyndrom zu den häufigsten Verdauungsstörungen, fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung sind laut der deutschen Gastroliga davon betroffen, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer, erklärt die Techniker Krankenkasse.

UNTERSUCHUNG
Viele Betroffene haben nur gelegentlich Probleme – die Beschwerden können aber auch so heftig sein, dass die Lebensqualität erheblich darunter leidet. Spätestens dann steht eine Untersuchung beim Facharzt an, um anderen Erkrankungen oder Infektionen auf die Spur zu kommen.

Eine gründliche Befragung und eine klinische Untersuchung stehen am Anfang. „Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie Fruktose- oder Laktoseintoleranz, eine Störung der Darmflora oder eine Medikamentenunverträglichkeit können ähnliche Symptome auslösen und sollten durch eine ausführliche ärztliche Untersuchung abgeklärt werden“, sagt Professor Ahmed Madisch, Gastroenterologe im Klinikum Siloah Hannover und Vorstandsmitglied der Gastro-Liga. Eine Dickdarmspiegelung kann eine Krebserkrankung ausschließen, Frauen können zusätzlich vom Gynäkologen auf Eierstockkrebs untersucht werden.

Das Reizdarmsyndrom kann plötzlich und ohne Voranmeldung auftreten, manchmal in Folge einer Magen-Darm- Infektion. Oft werden Bewegungsstörungen im Darm nachgewiesen und eine erhöhte Empfindlichkeit des Verdauungstrakts gegenüber Stress. Eine aktuelle Studie macht viele winzige Entzündungsherde im Darm für die Beschwerden verantwortlich. „Diese, von uns Ärzten Mikroinflammationen genannt, gelten inzwischen als gesicherte Auslöser des Reizdarmsyndroms“, erklärt Madisch.

BAUCHHIRN
Darüber hinaus kann psychische Belastung das sensible Nervensystem des „Bauchhirns“ aus dem Gleichgewicht bringen. Eine psychiatrische oder gar eingebildete Krankheit ist der Reizdarm allerdings nicht, betont die Gastroliga. „Es gibt auch keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass das Reizdarmsyndrom in irgendeinem Zusammenhang mit bösartigen Erkrankungen steht oder deren Entstehung begünstigt“, betont die Deutsche Reizdarmselbsthilfe.

Ziel der Therapie ist die Linderung der Beschwerden. Neben Ernährung, Lebensstil und Bewegung (siehe Text unten) können je nach Notwendigkeit auch Medikamente verordnet werden. Sogenannte Spasmolytika helfen bei krampfhaften Schmerzen, Entschäumer können die Blähungen reduzieren. Auch gegen Durchfall und Verstopfung stehen geeignete Mittel zur Verfügung.
  

Viel trinken und viel bewegen hilft dem Darm

Der Verein Deutsche Reizdarmselbsthilfe hat für Betroffene eine Reihe von Tipps zusammengestellt, die die Beschwerden lindern sollen:

- Langsam und in Ruhe essen
Ein wichtiger Schritt für die Gesunderhaltung des Verdauungssystems ist, darauf zu achten, wie man isst: Statt hektisch und unkonzentriert sollte die Nahrung langsam, in Ruhe und ganz bewusst aufgenommen und gut gekaut werden. So wird das Essen bereits im Mund vorverdaut, was die nachfolgenden Stationen – Magen, Dünndarm, Bauchspeicheldrüse und Galle – entlastet.

- Ausgewogen essen
Entscheidend für optimale Verdauungsfunktionen ist auch, was und wie viel man isst. Um den Darm zu einer guten Verdauungsleistung anzuregen, sollten empfindliche Menschen auf eine ausgewogene, faserreiche Kost achten. Dazu zählen naturbelassene Lebensmittel, frisches Obst, Gemüse und Salat. Aber nicht jeder verträgt etwa am Abend Salat oder Rohkost – da ist Experimentieren angesagt. Betroffene können ein Ernährungstagebuch führen, um herauszufinden, welche Lebensmittel sie gut oder eben schlecht vertragen.

- Vorsicht bei Ballaststoffen
Ballaststoffreiche Kost ist zwar wichtig, allerdings sollte sie mit Vorsicht genossen werden. Denn Ballaststoffe können Blähungen auslösen. Gut geeignet seien in der Regel Haferflocken, Leinsamen oder Flohsamen, da sie die Gleitfähigkeit des Stuhls erhöhen.

- Reichlich trinken
Für eine optimale Darmfunktion benötigt der Körper viel Flüssigkeit. Vor allem ältere Menschen trinken häufig jedoch zuwenig. Fehlt Flüssigkeit im Darm, kann es zu Verdauungsproblemen wie Verstopfung kommen. Allgemein empfohlen wird eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei Litern am Tag, am besten in Form von Mineralwasser, Saft oder Tee.

- Viel Bewegung
Zu wenig körperliche Bewegung lässt auch die Verdauung träge werden. Eine ausgleichende Gymnastik, die vor allem die Bauchmuskeln trainiert, sowie Wandern, Schwimmen, Radfahren oder andere Sportarten tun nicht nur den Muskeln gut, sondern bringen auch den Darm in Schwung. red
  

Herbst-Blues bekämpfen

Verabschiedet sich der Sommer, sinkt mitunter die Laune. Dem Stimmungstief im Herbst und Winter lässt sich aber vorbeugen. Wer unter saisonalen Depressionen leide, sollte sich jetzt beruflich und familiär nicht zu viele Aufgaben aufbürden, um das Stresslevel nicht zu hoch werden zu lassen , sagt Sabine Köhler, Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte, in der „Apotheken Umschau“ (Ausgabe 10 B/2019).In speziellen Kursen lässt sich besseres Stressmanagement trainieren. Um den Lichtmangel auszugleichen, könne man zum Beispiel den Urlaub so planen, dass zum Jahresende noch eine Reise ins Warme möglich ist. Eine Lichttherapie sollte man der Ärztin zufolge nur nach Absprache angehen – und nur mit entsprechend geprüften Apparaten.

Daneben helfe Bewegung an der frischen Luft. Ausdauersportarten wie Joggen oder Nordic Walking etwa bringen den Kreislauf in Schwung, bekämpfen das Müdigkeitsgefühl und hellen die Stimmung auf. Regelmäßige soziale Kontakte bringen ein zusätzliches Plus für die Laune – egal ob man sich zu einem Ausflug mit Freunden trifft oder die Verwandten zum Kochen einlädt.dpa