Klimaschutz ist so einfach

Mal spielerisch, Mal drastisch und Plakativ: Klimaarena gibt Denkanstösse, um im Alltag mehr für die Umwelt zu tun.

Zusammenhänge spielerisch entdecken: Darum geht es in der Sinsheimer Klimaarena. FOTO: Klimaarena
Zusammenhänge spielerisch entdecken: Darum geht es in der Sinsheimer Klimaarena. FOTO: Klimaarena
Verstepptes Tal, ein Rinnsal, alles trocken. Von riesigen Bäumen, von umherfliegenden Vögeln und umherschwirrenden Insekten, vom riesigen, reißenden Amazonas ist nicht mehr viel zu sehen. Dieser Eindruck bleibt im Gedächtnis haften. An zentraler Stelle, genau in der Mitte der Klimaarena Sinsheim, bietet das Gletscher-Modell eine besondere Busreise: Innen erleben die Besucher dank zweier riesiger Monitorwände eine besondere virtuelle Reise. Fiktiv mit einem Hyperbus im Jahr 2100 rasen die Besucher zum Amazonas. Der Regenwald ist weitestgehend Geschichte, nur noch in kleinen Gewächshäusern sprießen Bäume. Es sind die letzten ihrer Art.

Das vielfältige Leben, so wie man es im Jahr 2020 vorfindet: aus und vorbei, dank des Verhaltens der Menschen. Die Klimaarena gibt drastische Denkanstöße, die eigene und gewohnte Lebensgewohnheiten zu hinterfragen, denn der Klimawandel betrifft alle. Die Umsetzung, die spielerischen Elemente sowie die inhaltliche Klasse, das alles ermöglicht hat wieder einmal die Dietmar-Hopp-Stiftung. Sie hat die Klimastiftung für Bürger gegründet, unter deren Regie die Klimaarena gebaut wurde. Die Kosten liegen bei 40 Millionen Euro.
  
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Das riesige Tablet ist neben dem Gletscher ein Anziehungspunkt vieler Besucher. Es ist ein Traum für Kinder und Jugendliche: Auf dem mehrere Meter langen Bildschirm können Besucher einzelne runde Elemente quer über die Anzeigetafel schieben. Berührt man die Kreise, werden weitere Symbole sichtbar. Vor den Besuchern entsteht ein Netz an Informationen, die kleinen Module lassen sich vergrößern und drehen. Das Spielerische spricht an. In der Klimaarena werden Grundlagen zum Klimawandel vermittelt: Es geht um Autos und Unternehmen, die ihren CO²-Abdruck hinterlassen. Aber auch um Schritte, wie man mehr für die Umwelt tun kann. Ein Beispiel dafür sind Wohnungen, in Sinsheim sind Details zur Pelletheizung und zur Solartherme zu sehen.

Allerdings: Der Reiz der Klimaarena liegt darin, dass man nicht nur auf die großen Investitionen warten muss, um schon jetzt im Jahr 2020 zu handeln. „Wir treffen jeden Tag Entscheidungen“, sagt Dr. Bernd Welz, der seit Januar der Vorstandsvorsitzende der Klimastiftung für Bürger ist und die Sinsheimer Einrichtung leitet. „Man kann sofort etwas unternehmen.“

Dass dies möglich ist, lernen die Besucher vor allem in zwei von vier Mitmachbereichen sehr anschaulich: „Lebensstil und Konsum“ sowie „Mobilität“. Eine Fahrt soll vom Zuhause zu Freunden in Klimahausen führen: nur wie? Mit dem Fahrrad, per Carsharing, mit dem eigenen Auto, Bus, Flugzeug oder ICE? Was ist die beste Mischung fürs Klima, um ans Ziel zu gelangen? Mal müssen acht Kilometer bis zur Kleinstadt überbrückt werden, mal 100 Kilometer zum Hauptbahnhof oder Flughafen und weitere 400 Kilometer in Richtung Ziel. Besucher setzen die Reise mit Symbolen zusammen, optimistisch wird die Auswertung betrachtet. Dort heißt es dann allerdings: „Ganz gut, aber achte bei der nächsten Reise auf klimafreundlichere Verkehrsmittel.“

Die Sinsheimer Einrichtung will mit diesen Elementen die Besucher nicht mit erhobenem Zeigefinger bekehren. „Wir wollen sensibilisieren, nicht reflexartig aufs Auto zu setzen, sondern dass man nachdenkt“, sagt Bernd Welz. Er selbst fährt Elektroauto, bei längeren Dienstreisen Zug.

Es sind die vielen kleinen Entscheidungen, die zum Klimaschutz beitragen. Das erleben Besucher, die an einem Regal mit Mineralwasser, Duschgel, Toilettenpapier oder Fleisch vorbeilaufen und einen Einkaufskorb digital bestücken – für die Grillparty oder das Geburtstagsfest. Stets haben sie die Wahl und erfahren beispielsweise, dass beim Schweinefleisch ein Drittel der CO²-Menge anfällt, die beim Rindfleisch aus konventioneller Haltung zusammenkommt. Getrocknete Linsen haben deutliche bessere Werte als Linsen aus der Dose. Und der E-Book-Reader ist gut für Vielleser, das gedruckte Werk – klimatechnisch betrachtet – eher etwas für die, die wenig lesen. Für ganz alltägliche Entscheidungen aufmerksam machen, das gelingt der Klimaarena. Oder wie es der Chef Bernd Welz ganz treffend beschreibt: „Alles, was wir konsumieren, kommt mit einem CO²-Rucksack.“

Simon Gajer
  

INFO


Sinsheim
49.239000
8.879126

Der beste Tag, um die Klimaarena zu besuchen, ist der Montag. Nachmittags ist wenig los. Das haben die ersten Monate gezeigt. Führungen werden angeboten. Die Verantwortlichen empfehlen, dass sich Schulklassen oder Gruppen am besten sechs Wochen vor dem geplanten Termin anmelden. Die Öffnungszeiten: Oktober bis April von montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr; Mai bis September von montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags, sonntags sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Mehr zur Klimaarena: klima-arena.de