Tetris für die Sicherheit

Geschafft, passgenau bepackt: Das aber ist nur ein schlechter Teilerfolg, wenn die Sicherheit dabei auf der Strecke bleibt. Die Sicht nach hinten muss auch auf der Urlaubsreise gewährleistet sein. Foto: dpa
Geschafft, passgenau bepackt: Das aber ist nur ein schlechter Teilerfolg, wenn die Sicherheit dabei auf der Strecke bleibt. Die Sicht nach hinten muss auch auf der Urlaubsreise gewährleistet sein. Foto: dpa
Wer rechnet schon damit, dass das kleine Smartphone einen mit der Wucht von 15 Kilo am Kopf trifft? Doch genau diese Wucht entwickelt ein 300 Gramm schweres Handy bei einer Vollbremsung aus Tempo 50 aufgrund der Fliehkraft. Die sorgt dann für die 50fache Wucht des Eigengewichts. Schon eine Getränkekiste schießt so mit rund einer Dreivierteltonne nach vorn, rechnet der Auto Club Europa (ACE) vor. Nicht nur die Urlaubsfahrt kann so durch falsches Packen zum Risiko werden – auch nach dem Einkauf in Baumarkt oder Möbelhaus sollte man daher dringend darauf achten, das Auto richtig zu beladen.  

„Gepäck sicher zu verstauen ist etwa wie Tetris spielen“, sagt ACE-Sprecher Sören Heinze, „Man sollte von Beginn an alles sicher verstauen, damit nichts durch den Fahrraum fliegen kann.“ Wegen der Bruchgefahr rät er dringend von Glasflaschen ab. Spezielle Trinkflaschen sollten in den vorgesehenen Haltern stehen, das Handy am besten in einer festen Halterung sein. „Wichtig ist, nichts auf die Kofferraumabdeckung zu legen“, sagt Heinze. „Alles, was als Geschoss nach vorne fliegt, kann schmerzhaft treffen und ernste Verletzungen herbeiführen. Da hilft auch die Nackenstütze nicht mehr.“
Keine Lücken:
Auch Julia Fohmann rät zum überlegten Packen im Sinne des berühmten Computer-Block- Puzzles: „Es sollten keine Lücken entstehen, und alles sollte gut gesichert sein“, sagt die Pressesprecherin des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR). „Wenn möglich, sollte man die Lehne der Rückensitze als sichernde Trennwand nicht umklappen und über dem Kofferraum eine Laderaumabdeckung, ein Sicherungsnetz oder notfalls eine Decke verzurren.“ Für Kinder oder andere Passagiere im Fond sollte man Netze am Vordersitz für Entertainment beziehungsweise Getränke anbringen. Größere Taschen oder beispielsweise eine Strandmatte kann man im Fußraum beim Beifahrer oder hinten fest verstauen. Auch wenn keiner auf der Rückbank sitzt, rät der ACE, die Gurte hier zu schließen. Denn dann muss die Arretierung der Rückbank die Wucht der Ladung nicht alleine halten. „Damit kommen wir zum Tetris: Auch im Kofferraum gehören große Gegenstände unten und möglichst weit zur Fahrzeugmitte hin. Dann kann man seitlich, vorne und hinten aufbauen, so dass eine kompakte Ladung zustande kommt“, erläutert Heinze.

Blick nach hinten:
Autofahrer müssen darüber hinaus auch darauf achten, dass der Blick in den Rückspiegel möglich bleibt, erinnert Sachverständiger Karsten Graef vom Tüv Süd. Es sei denn, es sei ein zweiter Außenspiegel vorhanden. Der DVR stimmt zu: „Wenn die Ladung die Verkehrssicherheit beeinträchtigt, kann die Polizei ein Fahrzeug anhalten und ein Bußgeld verhängen.“ Das gilt übrigens auch für nicht gesicherte Tiere, die rechtlich als Ladung gelten. Fahrzeug und Ladung dürfen zusammen nicht breiter als 2,5 Meter und nicht höher als 4,0 Meter sein. So regelt Paragraf 22 der Straßenverkehrsordnung (StVO) das Beladen. Ein Überschreiten der Höhe kann automatische Höhenkontrollen auslösen und mindestens 240 Euro Strafe kosten. Bei Fahrzeugen unter 2,5 Meter Höhe darf vorne nichts heraus ragen, nach hinten sind bis zu 1,5 Meter erlaubt. Bei Strecken unter 100 Kilometer sind sogar bis zu drei Metern erlaubt – etwa für die Heimfahrt vom Baumarkt oder Möbelkauf.

Informationen zum zulässigen Gesamtgewicht des Autos findet man in der Zulassungsbescheinigung Teil 1, früher besser als Fahrzeugschein bekannt. Der Tipp vom Tüv Süd lautet, das startbereite und vollbetankte Fahrzeug auf eine Waage zu stellen. Öffentliche Waagen gibt es in fast jeder Gemeinde. Adressen finden sich im Internet oder bei den Gemeindeverwaltungen. Eine andere Methode als Nachwiegen kennt auch die Polizei nicht, wenn sie den Verdacht hat, jemand habe überladen, erklärt der Tüv Süd. Ab 20 Prozent zu viel Ladung kostet das Vergehen laut Bußgeldkatalog 95 Euro und einen Punkt in Flensburg.

Richtiger Luftdruck:
Die Experten sind sich einig: Ist das Auto gepackt, sollte man hinsichtlich der Achslast unbedingt den Luftdruck der Reifen anpassen, gegebenenfalls auch die Scheinwerfer. Auch das veränderte Fahrverhalten sollte man testen. Der Bremsweg ist deutlich länger, in den Kurven reagiert das Auto anders. Heinze hat noch einen wichtigen Rat: „Bevor man alles einlädt, sollten Warndreieck, Sicherheitswesten und erste Hilfe-Set unbedingt griffbereit und frei erreichbar platziert werden.“ Damit die Urlaubsentspannung möglichst schon vor Fahrtantritt beginnen kann, empfiehlt Fohmann: „Lassen Sie sich beim Packen Zeit, planen und beginnen Sie am Vortag der Abreise. Sorgfältig gesichertes Gepäck hilft, Stress und Verletzungen zu vermeiden, damit der gute Start in den Urlaub gelingt.“ Von Inga Stracke, dpa
     

Auf Tour mit dem Motorrad

Es geht mit dem Motorrad in den Sommerurlaub? Beim Verstauen des Gepäcks in Koffer, Taschen oder Tankrucksack sind dann einige wichtige Grundregeln zu beachten, informiert das Institut für Zweiradsicherheit (ifz). Schwere Teile verstauen Reisende zum Beispiel am besten weiter unten. Achten sollte man darauf, die Gewichte möglichst gleichmäßig links und rechts der Maschine zu verteilen. Kommen bei der Sicherung des Gepäcks Riemen und Gurte zum Einsatz, sind die Packstücke fest und sicher zu verzurren, damit sie nicht verrutschen oder abfallen können. dpa